Anton Christian Glatz


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Werkbeschreibung

Bücher > Ein Hund tritt in den Saal

1. Kapitel: Ein Hund wird in den Saal treten

Am Anfang ist Gott Ilak-Gathi. Da es außer ihm nichts gibt, wird ihm bald langweilig und er führt Selbstgespräche, aus denen die Welt ensteht. Zuletzt erzählt er sich von den Menschen. Diese leben unter großen Gefahren, denen sie trotzen können, weil sie einen unerschütterlichen Gefährten neben sich haben: den Hund.
Dann wird Ilak-Gathi müde und er vergeht am Rande des Universums im Nichts, das seinen Sohn, Ilak-Gathu, hervorbringt. Dieser sieht, dass sich die Menschen bei den Hunden keineswegs dankbar zeigen, vielmehr führen die Hunde ein bedauernswertes Leben. Als Entschädigung dafür verleiht Ilak-Gathu den Hunden ein Edikt, welches ihr Schicksal erleichtern soll. Ein Hirtenhund soll das Schriftstück zu den Menschen bringen, aber der Abgesandte verschwindet und mit ihm das Edikt.
Am Ende des Kapitels vergeht auch Ilak-Gathu im Nichts, das seine Tochter Ilak-Gatha hervorbringt.


2. Kapitel: Ein Hund tritt in den Saal

23. Jahrhundert, aus unseren heutigen Demokratien haben sich als Folge der Globalisierung absolutistische Oligarchien gebildet. Ort des Geschehens ist Siddi Lohan, welches in zwei total unterschiedliche Viertel zerfällt: das Nordviertel der Untertanen und das Südviertel der Obertanen. Ilak-Gathus Edikt kennt man nur noch aus Legenden. Aus den Hunden sind Menschen geworden, die im Nordviertel leben.
Prinzessin Agnes verläßt nach dem Frühstück das Schloss. Übermütig wirft sie ein Bündel Aktien in die Luft, das prompt die Schloßmauer hinunterfällt. Sie engagiert einen für sie typischen Untertanen, die Aktien wieder aufzufinden. Dafür will dieser an ihrer Tafel speisen, aus ihrem Becher trinken, in ihrem Bett schlafen und einen Kuss will er auch noch ...
Wenige Tage später wacht die Prinzessin mit einem anderen Gesicht auf und wird von den Palastwachen aus dem Schloss geworfen. Nun muss sie sich inmitten ihrer Untertanen bewähren. Sie wird von einem Händler auf dem Trödelmarkt als Verkäuferin angeworben. Ihr Chef, Paul Wayden, stellt sich als der Unbekannte heraus, den sie vor wenigen Tagen mit der Suche nach ihren Aktien beauftragt hatte. Wayden hat natürlich von der wahren Identität seiner Verkäuferin keine Ahnung.
Agnes steht für ein Jahr auf dem Trödelmarkt und lernt dort alle Sorgen der Untertanen bis hin zu blanker Existenzangst kennen. Sie fürchtet sich mit Paul Wayden vor den Beseitigungsrobotern, sie verteilt in der Nacht Prospekte, rennt dabei um ihr Leben etc. Aber sie lernt auch Freundschaft kennen und Liebe.
In den Nebenhandlungssträngen wird geschildert, wie die Wäschereiarbeiterin Sabine mithilfe von Magie ihrem tristen Dasein entfliehen will. Sie beschwört den Dämon Odrammiel, mit dem sie sich sexuell vereinigt. Als Dank stattet er sie mit magischen Artefakten aus, so dass es ihr gelingt, den Königssohn Heinrich (Agnes' Bruder) zu heiraten. Als Folge der Begegnung bringt Sabine ein verfluchtes Wesen auf die Welt, das vom Zeremonienmeister in der Wildnis ausgesetzt wird. Das Wesen zerstört die Umwelt und wird damit zum Fluch für ganz Siddi Lohan: Smog, verkarstete Landschaft, verkrüp-pelte Bäume, keine Vögel mehr etc. sind die Folgen.
Zu den Artefakten Odrammiels gehört auch ein Spiegel, den Sabine befragt: „Spieglein, Spieglein an der Wand, habe ich die Lage in der Hand?“ Und der Spiegel antwortet: „Im Augenblick ja. Prinzessin Agnes wird eines Tages deine Bedeutung bei weitem übersteigen.“
Um der Gefahr entgegenzutreten, verflucht Sabine ihre Schwägerin, die am nächsten morgen mit einem anderen Gesicht aufwacht ...
Der soziale Gegensatz zwischen Arm und Reich, Mächtig und Ohnmächtig, kurz zwischen den Ober- und den Untertanen nimmt in Siddi Lohan extreme Formen an. Es wird sogar im Untergrund des Nordviertels eine Rebellenarmee aufgestellt unter Führung der sog. „Linksliberalen“. Einer der maßgeblichen Köpfe ist Paul Wayden. Eines Tages finden Agnes und er die Aktien, die die Prinzessin seinerzeit verloren hatte. Wayden verwahrt die Papiere für den Fall, dass Prinzessin Agnes wieder auftaucht.
Kurze Zeit später erhält Agnes, von Wayden unbemerkt, wieder ihr altes Gesicht und begibt sich in das Schloss zurück. Es wird ein Treffen arrangiert, damit Wayden der Prinzessin ihre Aktien überreichen kann. Just in diesen Tagen taucht Ilak-Gathus Edikt aus der Legende auf, das in Pauls Besitz gelangt. Also will Paul die Gelegenheit benützen, der Königsfamilie den Inhalt des Ediktes zur Kenntnis zu bringen.
Bei dieser Audienz entwickelt sich ein Streitgespräch über die Forderungen bzw. Vorwürfe der Untertanen („Ihr lebt auf unsere Kosten“, etc.) einerseits und den Argumenten, mit denen die Obertanen ihre Position verteidigen („Alles rechtmäßig erworben, wir spenden ja eh bei jeder Gelegenheit“, etc.) Keine der beiden Seiten will nachgeben. Am Ende des Gespräches werden Paul Wayden und seine Freunde verhaftet. Es gelingt die Flucht.
Der soziale Konflikt ist derart unerträglich geworden, dass der König keinen anderen Ausweg mehr sieht als die militärische Entscheidung. Die Rebellen gewinnen den überaus blutigen, verlustreichen Kampf. Der König dankt ab, Paul Wayden wird Präsident.
Der magische Spiegel Sabines verrät Paul und Agnes wie es damals, vor Tausenden von Jahren, dem Abgesandten der Hunde ergangen ist. Der Zeremonienmeister hatte das Edikt hintertrieben und den Hund getötet. Das Edikt enthielt ein Ritual, welches dem Zeremonienmeister zu einem unnatürlich langen Leben verhalf. Dieses mehr untote Dasein wurde ihm zum persönlichen Fluch, den er nur lösen konnte, indem er Wayden das Edikt zuspielte. Außerdem stellt er sich der Tochter Sabines und Odrammiels und kämpft mit ihr magisch, bis das unglückliche Wesen zwar stirbt, aber erlöst ist. Zurück bleibt eine unheimliche Statue als Sinnbild für den Fluch, der Siddi Lohan noch immer in den Klauen hält.


3. Kapitel: Ein Hund war in den Saal getreten

Einhundert Jahre später. Ilak-Gatha führt in der Unterwelt die erlöste Tochter Sabines und Odrammiels in die Halle ihrer Vorfahren, wo sie fortan neben ihrem Vater sitzt.
Eine Geschichtelehrerin hält Unterricht und erzählt den Kindern in groben Zügen, wie es nach dem Sturz der Obertanen weiter gegangen ist: Ilak-Gatha löst den Fluch von Siddi Lohan. Dann verschwindet auch Ilak-Gatha im Nichts am Rande des Universums.



Zusammenfassung:
„Ein Hund tritt in den Saal“ ist im Grunde ein modernes, genreübergreifendes Märchen. Unschwer sind Themen wie Froschkönig, Aschenputtel und König Drosselbart erkennbar. Motor des handlungsorientierten Plots ist der sich radikal verschärfende Konflikt zwischen Arm und Reich, Ober- und Untertanen. Das Verhältnis zwischen Arm und Reich ist auch das zentrale Thema des Textes.
Der intellektuelle Höhepunkt liegt im Streitgespräch zwischen Wayden und der Königsfamilie. Die Argumente, mit denen beide Seiten ihre unvereinbaren Standpunkte vertreten, werden mit ungewöhnlicher Deutlichkeit und Vehemenz dargelegt. Politisch ist das Werk ein deutliches Bekenntnis zur demokratischen Republik und einer sozialen Marktwirtschaft.
Psychologisch ist von Interesse, wie es der Protagonistin Agnes als Grenzgängerin zwischen beiden Welten ergeht, wie auch den zahlreichen anderen Charakteren, die zwischen den Fronten ihren eigenen Weg finden müssen, bis hin zum König selbst. In dieser Geschichte gibt es keine platte Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere und keine Idealisierungen.
Durch die vielschichtige Verschränkung irrationaler Elemente mit strenger Rationalität ergibt sich nicht nur ein ganz spezielles Flair des Textes, sondern auch viele Möglichkeiten sowohl für Humor als auch thematischen Tiefgang. Das Werk ist in einem gemäßigt transrealistischen Stil geschrieben und von überschaubarer, massentauglicher Komplexität.

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